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"Hier ist ein guter Lagerplatz"



Einen "Lagerplatz im Süden", das sucht  der Bund Christlicher Pfadfinderinnen BCP. Nach langem vergeblichem Suchen, kommt die Bundesmeisterin Hedwig Döbereiner am Abend des 6. April 1964 zum ersten mal in der Langau an:  

"Breit lag ein helles Haus in der Dunkelheit vor uns, mächtige Bäume standen drum herum, weder deren Kronen noch das Hausdach war im Nebel zu erkennen. Freundliche Leute empfingen uns, eine warme Küche und eine Wohnstube. Der Erste Eindruck war sehr sympathisch." 1 

Hier findet sie ein etwa 350 Jahre altes Gebäude vor, das ursprünglich eine Schwaige, des Prämonstratenserklosters Steingaden war.2 Im Zuge der Säkularisation ab 1803 war der Wirtschaftshof, wie fast alle klösterlichen Besitzungen in Süddeutschland, an den Staat gefallen. Im Besitz des bayerischen Staates ist die Liegenschaft in der Langau auch noch im Frühjahr 1964. 




Die Langau steht zwar ohnehin zum Verkauf, aber dennoch müssen die Pfadfinderinnen sämtliche Beziehungen spielen lassen, die sie zum Beispiel zum Landeskirchenrat und zum Bayerischen Jungendring haben, um das Gebäude überhaupt erwerben zu können. Bis zum Kaufvertrag ist es ein weiter Weg:  

"Ein Referent ist für das Grundstück zuständig, ein zweiter für das Gebäude, ein dritter für die schönen alten Ahornbäume ... Der Amtsschimmel trabt langsam." 3 

Auch am Geld fehlt es. In vielen Einzelaktionen tragen die Pfadfinderinnen in ganz Bayern Mark für Mark zusammen, damit ein finanzieller Grundstock für den Erwerb der Langau geschaffen werden kann. 

Am 2. Februar 1965, dem Lichtmesstag, der für die Bauern seit jeher den Beginn des neuen Arbeitsjahres markiert, ist es dann endlich so weit: Hedwig Döbereiner unterschreibt für den BCP den Kaufvertrag für die Langau. 



Mit dem großen Bundeslager im Sommer 1966 nehmen die Pfadfinderinnen des BCP die Langau endgültig in Besitz. Mehr als 600 Pfadfinderinnen kommen dazu aus ganz Bayern zusammen. Sie treffen sich in der Langau mit Abordnungen von Pfadfinderinnenbünden aus ganz Europa. 

Sehr früh ist klar, dass die Langau mehr als nur ein Zeltplatz mit Haus für gelegentliche Pfadfinderlager sein wird. Das Haus wird gründlich renoviert und umgebaut. Aus dem großen Pferdestall wird der Speisesaal, die Küche und ein Sanitärtrakt. Auf der Tenne werden Zimmer eingebaut und ein Aufzug für die Rollstuhlfahrer. In das große Dach werden ganz individuelle Schlafzimmer unterschiedlicher Größe eingebaut. Das ganze Haus wird von Anfang an behindertengerecht geplant und eingerichtet. 




Landesbischof Dietzfelbinger mit Hedwig Döbereiner beim Bundeslager 1966

Das Diakonische Werk, die Landeskirche und der Staat sichern mit ihren Zuschüssen zugunsten der Arbeit mit körperbehinderten Menschen in der Langau die Finanzierung. Die Pfadfinderinnen sammeln weiter Spenden und helfen mit vielen Arbeitseinsätzen die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. 

Die BCP-Familie nimmt die zur Begegnungsstätte umgebaute Langau am 6./7. September 1969 in Betrieb. Vier Wochen später kommt auch der damalige Landesbischof Hermann Dietzfelbinger mit vielen Gästen aus Kirche und Öffentlichkeit zur offiziellen Einweihung. 


Anfang der 70-er Jahre, vor dem Zusammenschluss dreier Pfadfinderbünde zum gemeinsamen VCP wird die Langau in die Trägerschaft eines neu gegründeten Vereins gegeben.  Der Verein Bildungs- und Erholungsstätte Langau e.V. ist seitdem Eigentümer der Langau und Träger aller Programme, die in eigener Verantwortung der Langau angeboten und durchgeführt werden. 

Als die Errichtung eines Löschweihers gefordert wird, um den Brandschutz in der Langau sicherzustellen, packen die Vereinsoberen die Gelegenheit beim Schopf und errichten um den "Löschweiher" herum den Neubau mit dem Schwimmbad, mit weiteren Gästezimmern, einer Turnhalle, dem Brunnensaal und dem Gartenzimmer.

Gekrönt wird der Aufbau der Langau mit der Einweihung der Arche am 4. Februar 1983. Mit dem Einzug in die eigene kleine Kirche ist, fast auf den Tag genau 18 Jahre nach der Unterschrift unter dem Kaufvertrag, dieses vom christlichen Geist in der Tradition der evangelisch-lutherischen Kirche getragene Werk äußerlich komplett. 

Spätere Um- und Erweiterungsbauten bauen auf dieses Fundament auf und erhalten die Langau modern und bieten den Menschen die hierher kommen den unverwechselbaren Rahmen, in dem sie sich mit allen ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen ausleben und wohlfühlen können. 

Das wichtigste, innere Markenzeichen der Langau sind jedoch von Anfang an bis heute die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Geist christlicher Nächstenliebe in unterschiedlichen Funktionen in der Langau mitarbeiten, damit Menschen in allen Lebenslagen und mit allen möglichen Behinderungen in der Langau ihren ganz persönlichen Freiraum, ihren eigenen "Raum zum Wachsen" finden können. 

Dieses Erbe der christlichen Pfadfinderinnenbewegung aus der die Langau entstanden ist, prägt bis heute den besonderen Geist der Langau, der viele Menschen mit und ohne Behinderungen immer wieder hierher führt, der ihnen die Langau zu einer zweiten Heimat werden, sie hier "einfach Mensch sein" lässt.





1 Zitat aus dem Buch "Feuer und Altar. Der Bund Christlicher Pfadfinderinnen 1922-1972" von Hedwig Döbereiner, das die Autorin am 1. November 2003 anlässlich des Treffens der Älterengemeinschaft des BCP in der Langau der Öffentlichkeit vorstellte.

2 Der Begriff "Schwaige" (Bairisch: Schwoag) leitet sich aus dem Mittelhochdeutschen "Herde" oder "Viehhof" ab. Der Betreiber versorgte in der Regel grundherrliches und eigenes Vieh. Für die Nutzung von Grund und Vieh des Gutsherren war er diesem abgabenpflichtig. (vgl. de.wikipedia.org)

3 Zitat aus "Feuer und Altar", S. 327


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